Nach einer Knie­pro­the­se beginnt die Phy­sio­the­ra­pie meist schon in der Klinik. Danach folgen oft eine An­schluss­re­ha­bi­li­ta­ti­on und, wenn noch Ziele offen sind, ambulante Termine mit Verordnung. In den ersten Wochen üben Sie sicheres Gehen, Streckung und Beugung des Knies und bauen Kraft auf. Wie viel Sie das Bein belasten dürfen, legt immer die operierende Klinik fest.

Nach der Klinik: Reha und ambulante Phy­sio­the­ra­pie

Im Krankenhaus üben Sie erste Schritte, sobald Ihr Zustand es zulässt. Das beginnt oft am Ope­ra­ti­ons­tag oder am Folgetag. Sie lernen, sicher aus dem Bett zu kommen, aufzustehen und mit Gehstützen zu gehen. Das Knie bewegen Sie vorsichtig in Streckung und Beugung. Wie viel Sie belasten dürfen, bestimmt Ihr Ope­ra­ti­ons­team.

Nach dem Kli­nik­auf­ent­halt folgt häufig eine An­schluss­re­ha­bi­li­ta­ti­on, stationär oder ganztägig ambulant. Bei der ambulanten Reha wohnen Sie zu Hause und fahren tagsüber dorthin. Welche Form zu Ihnen passt, hängt von Ihrer me­di­zi­ni­schen Situation und den Bedingungen zu Hause ab. Bei der Or­ga­ni­sa­ti­on unterstützt Sie meist der So­zi­al­dienst der Klinik.

In der Reha bauen Sie Be­weg­lich­keit und Kraft weiter auf und üben Bewegungen, die Sie im Alltag brauchen. Bleiben danach gezielte Ziele offen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob ambulante Phy­sio­the­ra­pie mit Verordnung für Sie passt. Wenn direkt nach der Klinik eine ambulante Behandlung nötig ist und keine Reha beginnt, kann das Krankenhaus im Ent­lass­ma­nage­ment Heilmittel für bis zu sieben Ka­len­der­ta­ge nach der Entlassung verordnen. Fragen Sie vor der Entlassung, wer Ihre weitere Behandlung verordnet und welche Vorgaben für Ihr Bein gelten.

Die Vorgaben zur Belastung, zu den Gehstützen und zu besonderen Bewegungen richten sich nach dem Eingriff, der Prothese und Ihrem Verlauf. Im Ent­lass­brief sollte stehen, was für Sie gilt. Bringen Sie ihn zur nächsten Behandlung mit. Allgemeine Übungen aus einem Ratgeber ersetzen diese per­sön­li­chen Vorgaben nicht.

Schwellung und Schmerzen: Was Ihnen jetzt guttut

Ein ge­schwol­le­nes oder druck­emp­find­li­ches Knie ist nach der Operation häufig. Bei Bewegung schmerzt es ebenfalls. Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas schiefgeht. Nach einem aktiveren Tag können Schwellung und Schmerz vor­über­ge­hend stärker auffallen.

Machen Sie zwischen den Übungen Pausen. Lagern Sie das Bein so hoch, wie es Ihnen die Klinik gezeigt hat. Kühlen kann Beschwerden lindern; klären Sie vorher, ob und wie lange das für Sie sinnvoll ist. Legen Sie das Kühlpack nie direkt auf die Haut und lassen Sie die Wunde frei.

Auch wenn das Knie schmerzt, bleibt Bewegung wichtig. Bewegen Sie Fuß und Knie regelmäßig in dem Umfang, den Klinik oder Reha-Team freigegeben haben. Kurze Wege und leichte Übungen über den Tag verteilt sind oft besser als eine lange Trai­nings­ein­heit. Nehmen Sie Schmerz­mit­tel nur so ein, wie es ärztlich mit Ihnen vereinbart wurde.

Wird das Knie deutlich schmerz­haf­ter oder schwillt es stärker an, reduzieren Sie den Umfang und besprechen die Reaktion mit Ihrer Phy­sio­the­ra­peu­tin oder Ihrem Phy­sio­the­ra­peu­ten. Eine Übung soll den Schmerz nicht deutlich oder anhaltend steigern. Bei neuen oder rasch zunehmenden Beschwerden wenden Sie sich an die behandelnde Klinik oder Ihre Ärztin be­zie­hungs­wei­se Ihren Arzt.

Warum Streckung und Beugung wichtig sind

Eine gute Streckung hilft dem Bein, beim Auftreten Halt zu geben. Fehlt ein Teil davon, bleibt das Knie beim Stehen oder Gehen oft leicht gebeugt. Dann verändert sich der Schritt und der Ober­schen­kel arbeitet stärker.

Beugung brauchen Sie zum Aufstehen, Hinsetzen und Trep­pen­stei­gen. Auch Schuhe und Strümpfe lassen sich leichter anziehen, wenn sich das Knie ausreichend beugen lässt. Schwellung und Schmerz machen die Bewegung anfangs oft mühsam. Üben Sie sie regelmäßig, aber drücken Sie das Knie nicht mit Gewalt weiter.

In der Reha sind Gradangaben eine Ori­en­tie­rung, keine feste Norm und kein Maß dafür, ob Sie sich genug anstrengen. Was Sie erreichen, hängt unter anderem von Ihrer Be­weg­lich­keit vor der Operation, dem Eingriff und dem Verlauf danach ab. Ihr Be­hand­lungs­team legt mit Ihnen persönliche Ziele fest. Ent­schei­dend ist, ob sich das Knie im Verlauf verbessert und die All­tags­be­we­gun­gen sicherer gelingen.

Eine sys­te­ma­ti­sche Über­sichts­ar­beit verglich sehr un­ter­schied­li­che Programme und Endpunkte. Sie konnte daraus keinen Reha-Plan als allgemein besten ableiten. Deshalb stimmt Ihr Team Belastung und Ziele auf Ihren Verlauf ab.

Kraft und Gangbild Schritt für Schritt üben

Der vordere Ober­schen­kel streckt das Knie und hilft Ihnen beim Aufstehen und Gehen. Nach dem Eingriff lässt er sich oft schwer anspannen; Schmerz und Schwellung erschweren die Ansteuerung. Deshalb beginnt das Kraft­trai­ning meist mit einfachen, kon­trol­lier­ten Übungen. Wenn Knie und Wunde die Belastung zulassen, steigert Ihr Team den Widerstand nach und nach.

Auch die Hüft­mus­ku­la­tur sta­bi­li­siert das Bein beim Stehen und Gehen. In der Phy­sio­the­ra­pie üben Sie, das Gewicht zu verlagern, das Gleich­ge­wicht zu halten und möglichst gleichmäßig zu gehen. Aufstehen und Hinsetzen gehören genauso dazu wie einzelne Knie­be­we­gun­gen. Wie an­spruchs­voll die Übungen werden, richtet sich nach Ihrer Be­las­tungs­frei­ga­be und danach, wie das Knie reagiert.

Gehstützen geben Ihnen Sicherheit und helfen, die Belastung wie vorgegeben zu dosieren. Lassen Sie sie nicht allein deshalb weg, weil eine kurze Strecke schon ohne möglich scheint. Ihre Klinik sagt Ihnen, wie lange und mit welcher Belastung Sie sie verwenden sollen. In der Phy­sio­the­ra­pie prüfen wir, ob Sie gleichmäßig gehen, sicher wenden und die Stützen passend einsetzen.

Zwei einfache Bewegungen aus der frühen Reha

Hier sehen Sie zwei Bewegungen, die in der frühen Reha vorkommen. Machen Sie sie nur, wenn Ihr Klinik- oder Reha-Team sie freigegeben und mit Ihnen geübt hat. Die Wie­der­ho­lun­gen richten sich nach Ihrem per­sön­li­chen Übungsplan. Beenden Sie die Bewegung, wenn sie den Schmerz deutlich verstärkt. Bei Un­si­cher­heit fragen Sie Ihre Phy­sio­the­ra­peu­tin, Ihren Phy­sio­the­ra­peu­ten oder das Ope­ra­ti­ons­team.

  • Ferse heranziehen: Legen Sie sich auf den Rücken und lassen Sie die Ferse auf der Unterlage gleiten. Schieben Sie sie langsam in Richtung Gesäß, bis eine leichte Dehnung entsteht. Strecken Sie das Bein wieder aus und ziehen Sie die Ferse nicht mit Kraft heran. So üben Sie die Beugung.

  • Ober­schen­kel anspannen: Legen Sie das Bein so ab, wie die Klinik es empfohlen hat. Spannen Sie den vorderen Ober­schen­kel sanft an und drücken Sie die Kniekehle leicht in die Unterlage. Halten Sie die Spannung kurz, lassen Sie wieder locker und wiederholen Sie die Bewegung nach Ihrem Übungsplan. So trainieren Sie die Mus­kel­an­steue­rung und un­ter­stüt­zen die Streckung.

Treppen, Aufstehen und Autofahren: Was im Alltag gilt

Auf Treppen gehen Sie zunächst mit den Gehstützen und in der Reihenfolge, die Ihnen die Klinik gezeigt hat. Nutzen Sie das Geländer, wenn das mit Ihrer Gehhilfe sicher möglich ist. Üben Sie nicht allein, solange Sie sich unsicher fühlen oder Ihre Belastung noch nicht freigegeben ist.

Zum Aufstehen nehmen Sie einen stabilen Stuhl, der nicht zu niedrig ist. Rutschen Sie nach vorn und drücken Sie sich mit den Armlehnen ab oder nutzen Sie die Technik aus der Klinik. Drehen Sie sich nicht hastig auf dem operierten Bein. Mit Ihrer Phy­sio­the­ra­peu­tin oder Ihrem Phy­sio­the­ra­peu­ten passen Sie die Be­we­gungs­ab­läu­fe an Ihre Wohnung an.

Erst nach ärztlicher Freigabe dürfen Sie wieder Auto fahren. Sie müssen sicher ein- und aussteigen und die Pedale zuverlässig bedienen können. Ent­schei­dend sind unter anderem das operierte Knie, Ihre Be­weg­lich­keit und mögliche Medikamente, die Ihre Reaktion bremsen. Eine feste Zahl von Wochen gibt es dafür nicht.

Was Sie bei uns in der Phy­sio­the­ra­pie erwartet

Bei uns in Gerresheim gehen wir beim ersten Termin Ihren Ent­lass­brief durch und sprechen darüber, wie sich Schmerzen und Schwellung auf Ihren Alltag auswirken. Je nach Situation prüfen wir die Be­weg­lich­keit, die Mus­kel­an­span­nung, Ihren Gang mit Gehstützen und Bewegungen wie Aufstehen oder Hinsetzen. Wir erheben einen phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Befund, keine ärztliche Diagnose.

Gemeinsam legen wir einen Plan fest, der zu Ihrer Be­las­tungs­frei­ga­be und Ihren Zielen passt. In der Kran­ken­gym­nas­tik üben wir mit Ihnen die Be­weg­lich­keit, Mus­kel­kon­trol­le, das Gehen und All­tags­si­tua­tio­nen. Sobald es Ihre Be­las­tungs­frei­ga­be erlaubt, kommt gezielter Kraftaufbau dazu. Wir steigern die Belastung danach, wie Sie sie vertragen.

Bei starker Schwellung schauen wir, welche Maßnahme sinnvoll ist und ob eine ärztliche Rücksprache nötig ist. Die aktuelle evi­denz­ba­sier­te Leitlinie empfiehlt Manuelle Lymph­drai­na­ge nach Knie-TEP nicht rou­ti­ne­mä­ßig, weil der Nutzen nicht sicher belegt ist. Ist sie verordnet, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie sie in Ihren Be­hand­lungs­plan passt. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Manuelle Lymph­drai­na­ge: Wann wird sie verordnet?.

Ist der Weg in die Praxis noch nicht möglich, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über einen Hausbesuch. Er kommt aus me­di­zi­ni­schen Gründen infrage und muss auf der Verordnung stehen. Wie das abläuft, lesen Sie im Beitrag Phy­sio­the­ra­pie zu Hause.

Bei diesen Warnzeichen brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe

Warten Sie mit diesen Warnzeichen nicht bis zum nächsten Phy­sio­the­ra­pie­ter­min. Wenden Sie sich sofort an die operierende Klinik oder eine ärztliche An­lauf­stel­le, wenn:

  • die Rötung oder Überwärmung am Knie zunimmt oder sich ausbreitet;

  • Sie Fieber bekommen;

  • Flüssigkeit oder Eiter aus der Wunde austritt;

  • die Wade schmerzt und anschwillt.

Bei Atemnot rufen Sie sofort den Notruf 112. Das gilt besonders, wenn gleich­zei­tig Brust­schmer­zen oder Schmerzen und Schwellung in der Wade auftreten. Eine Phy­sio­the­ra­pie ersetzt in solchen Situationen keine ärztliche Un­ter­su­chung.

Klären Sie vor der Entlassung, wie stark Sie das Bein belasten dürfen, wie Sie die Gehstützen einsetzen und wer Ihre weitere Behandlung verordnet. Mit Ent­lass­brief und Übungsplan knüpft die ambulante Phy­sio­the­ra­pie an das an, was Klinik und Reha mit Ihnen begonnen haben.

Geschrieben von

Physiotherapeut und Praxisinhaber

Davood Mirasadollahi ist staatlich anerkannter Physiotherapeut mit Weiterbildungen in Manueller Therapie, Faszientherapie (FDM), CMD-Therapie, Kinesio-Taping und Vagus-Therapie. Er leitet Theracore in Düsseldorf-Gerresheim und erklärt im Ratgeber, was bei häufigen Beschwerden hilft und wie Physiotherapie abläuft.

  • Staatlich anerkannter Physiotherapeut
  • Manuelle Therapie (MT)
  • Physiotherapie bei Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD)