Wenn Ihr Knie beim Laufen schmerzt, kürzen Sie zuerst die Strecke oder laufen Sie langsamer. Oft ist die Belastung schneller gestiegen, als sich Ihr Körper daran gewöhnen konnte. Der Schmerzort gibt erste Hinweise, ersetzt aber keine Un­ter­su­chung.

Wo am Knie es schmerzt und was das bedeuten kann

Die Schmerz­stel­le gibt Ihnen eine erste Richtung. Für sich allein zeigt sie nicht, welches Gewebe betroffen ist.

Schmerzt es außen am Knie, kommt ein Ili­o­ti­bi­al­band-Syndrom infrage. Das Ili­o­ti­bi­al­band ist eine kräftige Bin­de­ge­webs­struk­tur, die an der Außenseite des Ober­schen­kels bis zum Knie verläuft. Beim sogenannten Läuferknie sitzen die Beschwerden oft deutlich an der Außenseite und treten beim Laufen auf. Der Begriff wird jedoch nicht überall einheitlich verwendet.

Schmerzen vor oder hinter der Kniescheibe passen eher zu pa­tell­o­fe­mo­ra­len Beschwerden. „Pa­tell­o­fe­mo­ral“ beschreibt den Bereich zwischen Kniescheibe und Ober­schen­kel­kno­chen. Die Beschwerden fallen oft beim Laufen, bei Kniebeugen oder auf Treppen auf. Auch langes Sitzen mit gebeugtem Knie kann unangenehm sein.

Sitzt der Schmerz direkt unterhalb der Kniescheibe, kommt die Pa­tel­la­seh­ne infrage. Sie verbindet die Kniescheibe mit dem Schienbein. Beschwerden dort treten oft bei wie­der­hol­ten, kräftigen Belastungen auf, etwa bei Sprüngen, Sprints oder beim Laufen.

Diese Muster helfen Ihnen, den Schmerz zu beschreiben. Sie belegen nicht, welche Struktur die Ursache ist. Auch Meniskus, Gelenk oder andere Gewebe können in derselben Gegend schmerzen. Bei einer Un­ter­su­chung zählen außerdem Beginn und Verlauf, die Be­last­bar­keit und mögliche Ver­let­zun­gen.

Wenn Ihr Training schneller steigt als Ihre Be­last­bar­keit

Beginnen Knie­schmer­zen ohne Sturz oder Verdrehung, steckt oft eine Belastung dahinter, die für das Knie zu hoch ist oder zu schnell gesteigert wurde. Prüfen Sie, ob Ihre Läufe länger wurden, das Tempo anzog oder Hügel und Intervalle dazukamen. Auch eine zusätzliche Laufeinheit macht eine ohnehin an­stren­gen­de Woche belastender.

Beim Laufen wiederholt sich die Belastung mit jedem Schritt. Ihr Gewebe passt sich daran an, braucht dafür aber Zeit. Wachsen die Trai­nings­rei­ze schneller als die Erholung, reagiert das Knie emp­find­li­cher.

Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas dauerhaft beschädigt ist. Nehmen Sie den Schmerz als Anlass, die Dosis zu prüfen.

Die 10-Prozent-Regel kennen viele: Der Wo­chen­um­fang soll demnach höchstens um zehn Prozent wachsen. Eine sys­te­ma­ti­sche Über­sichts­ar­beit fand dafür keine aus­rei­chen­de wis­sen­schaft­li­che Grundlage. Eine Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte einzelne Läufe. Die Forschenden be­ob­ach­te­ten einen Zu­sam­men­hang mit Lauf­ver­let­zun­gen, wenn einzelne Läufe mehr als zehn Prozent länger waren als der längste Lauf in den vorherigen 30 Tagen.

Das bestätigt die Wochenregel nicht. Erfasst wurden Lauf­ver­let­zun­gen allgemein, keine Knie­schmer­zen im Besonderen. Außerdem berichteten die Teil­neh­men­den ihre Ver­let­zun­gen selbst. Daraus folgt keine sichere Grenze für jede Person.

Vermeiden Sie große Sprünge bei einzelnen Läufen und beobachten Sie, wie das Knie reagiert. Wie viel Sie gerade vertragen, richtet sich nach Ihrem bisherigen Training und Ihrer Erholung. Schlaf­man­gel, Krankheit, eine Laufpause oder eine zusätzliche Sportart verändern die gewohnte Be­last­bar­keit. Ihr eigener Verlauf hilft mehr als ein einzelner Prozentwert.

So passen Sie Ihr Lauf­trai­ning an

Bei leichten Beschwerden und normalem Gang muss nicht jede Bewegung wegfallen. Verkürzen Sie zuerst die Strecke und senken Sie das Tempo. Lassen Sie sehr lange Läufe, Tem­po­wech­sel und starke Steigungen vorerst aus. Ein Wechsel aus Gehen und Laufen verringert die Belastung zusätzlich.

Prüfen Sie, wie das Knie während des Laufs, am Abend und am nächsten Morgen reagiert. Der Schmerz sollte nicht stetig steigen oder Ihren Laufstil verändern. Ist das Knie danach deutlich emp­find­li­cher als zuvor, war die Einheit wahr­schein­lich zu viel. Laufen Sie das nächste Mal kürzer oder langsamer.

Schmerzt schon ein kurzer, lockerer Lauf deutlich, hinken Sie oder nehmen die Beschwerden im Alltag zu, pausieren Sie zunächst mit dem Laufen. Gehen Sie im Alltag weiter und wählen Sie andere Aktivitäten, die das Knie nicht verstärkt reizen. Wenn Sie unsicher sind, holen Sie vor weiteren Lauf­ver­su­chen ärztlichen oder phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Rat.

Für den Wie­der­ein­stieg gibt es keinen festen Kalender. Warten Sie, bis Gehen und Treppen im Alltag wieder gut möglich sind und das Knie nach einer normalen Ta­ges­be­las­tung nicht stärker schmerzt.

Starten Sie dann mit einer kurzen, lockeren Einheit oder wechseln Sie zwischen Gehen und Laufen. Lassen Sie zwischen den ersten Läufen Zeit zur Erholung. Steigern Sie jeweils nur eine Sache, zum Beispiel die Laufzeit oder das Tempo.

Ein einfaches Trai­nings­ta­ge­buch macht Ver­än­de­run­gen sichtbar. Notieren Sie Strecke oder Laufzeit und Tempo. Halten Sie auch fest, ob es Steigungen gab und wie das Knie am Abend sowie am nächsten Morgen reagiert. So erkennen Sie eher, ob ein einzelner langer Lauf, mehrere an­stren­gen­de Tage oder eine andere Änderung eine Rolle spielt.

Kräftigen Sie Hüfte und Ober­schen­kel mit drei Übungen

Kräf­ti­gungs­übun­gen bereiten Muskeln und Gelenke auf wiederholte Belastung vor. Bei vorderen Knie­schmer­zen sprechen Leitlinien für ein Übungs­pro­gramm, das die Bein­mus­ku­la­tur stärkt und zur Person passt. Daraus folgt nicht, dass eine einzelne schwache Mus­kel­grup­pe die Ursache sein muss. Wählen Sie eine Belastung, die Sie kon­trol­liert ausführen und nach und nach steigern können.

Starten Sie mit den folgenden Übungen zweimal pro Woche. Beginnen Sie mit zwei Sätzen pro Übung und bewegen Sie sich ruhig. Die Wie­der­ho­lungs­zah­len sind praktische Startwerte, kein allgemeiner The­ra­pie­plan.

Die Übungen sollen den Schmerz nicht deutlich verstärken. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich vorher ärztlich oder phy­sio­the­ra­peu­tisch beraten.

Seitliches Beinheben in Seitenlage

Legen Sie sich auf die Seite und winkeln Sie das untere Bein bequem an. Das obere Bein bleibt gestreckt, die Zehen zeigen nach vorn.

Heben Sie es langsam ein Stück an, ohne das Becken nach hinten zu drehen. Senken Sie es ebenso kon­trol­liert wieder ab. Machen Sie 8 bis 12 Wie­der­ho­lun­gen pro Seite.

Damit kräftigen Sie vor allem die seitliche Hüft­mus­ku­la­tur. Halten Sie den Oberkörper ruhig und heben Sie das Bein nur so weit, wie Sie die Position kon­trol­lie­ren können. Schwung oder ein starkes Hohlkreuz machen die Bewegung nicht wirksamer.

Brücke

Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie die Füße hüftbreit auf und beugen Sie die Knie. Spannen Sie das Gesäß an und heben Sie das Becken, bis Oberkörper und Ober­schen­kel ungefähr eine Linie bilden.

Halten Sie kurz, dann senken Sie das Becken langsam ab. Wiederholen Sie die Bewegung 10 bis 15 Mal.

Die Brücke kräftigt Gesäß und hintere Ober­schen­kel­mus­ku­la­tur. Drücken Sie gleichmäßig über beide Füße und vermeiden Sie, den Rücken am oberen Punkt stark durch­zu­drü­cken. Wird die Übung zu leicht, führen Sie die Bewegung langsamer aus oder verlängern Sie die Haltezeit etwas.

Aufstehen vom Stuhl

Setzen Sie sich auf einen stabilen Stuhl. Stellen Sie die Füße etwa hüftbreit auf und beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorn.

Stehen Sie kon­trol­liert auf und setzen Sie sich langsam wieder hin. Beginnen Sie mit 8 bis 12 Wie­der­ho­lun­gen. Ein höherer Stuhl erleichtert die Bewegung.

Dabei arbeiten vor allem die vorderen Ober­schen­kel mit. Richten Sie die Knie an den Füßen aus und lassen Sie sie nicht nach innen kippen. Wählen Sie eine Be­we­gungs­tie­fe, die Sie gut kon­trol­lie­ren können. Nimmt der Schmerz zu, brechen Sie ab oder machen Sie die Bewegung kleiner.

Vertragen Sie alle drei Übungen gut, ergänzen Sie später einen Satz oder erschweren Sie die Bewegung. Verändern Sie pro Steigerung nur eine Sache. Für den Einstieg zählt Re­gel­mä­ßig­keit mehr als ein er­schöp­fen­der Trai­nings­reiz.

Ein neuer Laufschuh ersetzt keine Anpassung des Trainings

Ein bequemer Schuh, der zu Ihrem Fuß und zum Untergrund passt, kann den Lauf angenehmer machen. Studien zeigen nicht zuverlässig, dass eine bestimmte Schuh­ka­te­go­rie Lauf­ver­let­zun­gen verhindert oder ein Modell Knie­schmer­zen vorbeugt. Eine Cochrane-Übersicht fand für viele Vergleiche nur schwache oder sehr schwache Belege. Auch Schuhe nach Fußform auszuwählen, senkte Ver­let­zun­gen in den un­ter­such­ten Gruppen nicht erkennbar.

Drücken Ihre Schuhe, wirken sie instabil oder fühlen sie sich beim Laufen unangenehm an, kann ein anderes Paar sinnvoll sein. Für die Behandlung der Ursache reicht ein Schuh­wech­sel allein nicht aus. Eine plötzliche Umstellung auf ein ganz anderes Modell verändert ebenfalls die Belastung. Kombinieren Sie den Wechsel deshalb nicht mit einer deutlichen Steigerung von Strecke oder Tempo.

Ein bestimmter Fußaufsatz oder eine ver­meint­lich perfekte Lauftechnik passt nicht für alle. Änderungen am Laufstil kommen bei manchen Beschwerden infrage und sollten zu Ihrem Befund und Ziel passen. Wegen eines Knie­schmer­zes allein müssen Sie sich keine neue Technik an­trai­nie­ren.

Diese Warnzeichen sollten Sie abklären lassen

Schwillt das Knie an, fühlt es sich instabil an oder knickt es wiederholt weg, pausieren Sie mit dem Laufen und holen Sie ärztlichen Rat ein. Lassen Sie auch ein blockiertes Knie untersuchen, wenn es sich nicht normal beugen oder strecken lässt. Ruhe- oder Nacht­schmer­zen gehören ebenfalls abgeklärt, besonders wenn sie neu sind oder zunehmen.

Nach einem Sturz oder einer Verdrehung ist eine Un­ter­su­chung sinnvoll, wenn die Schmerzen deutlich sind oder sich das Knie anders anfühlt als zuvor. Lassen Sie es zeitnah abklären, wenn es rasch stark anschwillt, Sie kaum auftreten können oder es blockiert. Ein heißes, gerötetes Knie mit Fieber gehört ebenfalls rasch medizinisch beurteilt.

Bei plötzlich sehr starken Beschwerden, deutlicher Be­we­gungs­ein­schrän­kung oder wenn Sie das Bein nach einer Verletzung nicht belasten können, warten Sie nicht mehrere Trai­nings­ta­ge ab. Wenden Sie sich an eine ärztliche Stelle. Im Notfall wählen Sie den Ret­tungs­dienst. Diese Hinweise ersetzen keine Un­ter­su­chung und klären nicht, was in Ihrem Knie vorliegt.

So gehen wir in der Phy­sio­the­ra­pie vor

Im ersten Gespräch geht es darum, wann die Schmerzen auftreten und was Sie wieder erreichen möchten. Wir fragen nach Laufumfang, Tempo, Steigungen, Pausen und Änderungen im Training. Danach erheben wir einen Befund: Je nach Situation prüfen wir Be­weg­lich­keit, Kraft und die Reaktion auf bestimmte Bewegungen.

Eine phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Un­ter­su­chung ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei neuen, unklaren oder auffälligen Beschwerden empfehlen wir die ärztliche Abklärung.

Aus dem Befund planen wir die Belastung passend zu Ihrem Alltag und Ihrer Laufpraxis. Dazu gehören angepasste Lauf­in­ter­val­le, regelmäßige Kräftigung und ein schritt­wei­ser Wie­der­ein­stieg. Wir achten darauf, wie das Knie am selben Tag und danach auf Übungen und Läufe reagiert. Verändern sich die Beschwerden, passen wir den Plan an.

Zur Behandlung gehören aktive Übungen und eine begleitete Steigerung der Belastung. Mehr dazu finden Sie bei Kran­ken­gym­nas­tik. In unserer Praxis in Düsseldorf-Gerresheim legen wir mit Ihnen sinnvolle Ziele für den Weg zurück zum Laufen fest.

Bleiben die Beschwerden bestehen, kehren sie wieder oder sind Sie bei Warnzeichen unsicher, lassen Sie das Knie ärztlich beurteilen. Mit einer passenden Verordnung können Sie danach einen Termin bei uns anfragen.

Geschrieben von

Physiotherapeut und Praxisinhaber

Davood Mirasadollahi ist staatlich anerkannter Physiotherapeut mit Weiterbildungen in Manueller Therapie, Faszientherapie (FDM), CMD-Therapie, Kinesio-Taping und Vagus-Therapie. Er leitet Theracore in Düsseldorf-Gerresheim und erklärt im Ratgeber, was bei häufigen Beschwerden hilft und wie Physiotherapie abläuft.

  • Staatlich anerkannter Physiotherapeut
  • Manuelle Therapie (MT)
  • Physiotherapie bei Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD)