Schmerzt Ihr Arm beim Griff ins obere Regal, wird das oft als „Impingement“ bezeichnet. Der Begriff beschreibt Beschwerden unter dem Schul­ter­dach; er beweist keine ein­ge­klemm­te Sehne. Gezielte Übungen und eine passende Belastung können helfen, die Schulter im Alltag wieder zu fordern.

Was mit „Impingement“ an der Schulter gemeint ist

Wenn Sie den Arm heben, bewegen sich Sehnen der Ro­ta­to­ren­man­schet­te und ein Schleim­beu­tel dicht unter dem Schul­ter­dach. „Impingement“ heißt etwa „Anstoßen“ oder „Einklemmen“. Der Begriff klingt, als würde ein Knochen die Sehnen bei jeder Bewegung festklemmen.

So einfach lässt sich der Schmerz meist nicht erklären. Unter dem Schul­ter­dach liegen mehrere Strukturen eng beieinander und bewegen sich mit, wenn Sie den Arm heben. Schmerzen können auftreten, ohne dass eine dauerhafte Enge die alleinige Ursache ist. Darum verwenden viele Fachleute den be­schrei­ben­den Begriff „sub­akro­mia­les Schmerz­syn­drom“. „Subakromial“ heißt: unter dem Schul­ter­dach.

Ein Ultraschall- oder MRT-Bild zeigt Ver­än­de­run­gen, erklärt aber nicht automatisch den Schmerz. Seh­nen­ver­än­de­run­gen und Kalk­ab­la­ge­run­gen finden sich auch bei Menschen ohne Beschwerden. Ärztinnen und Ärzte ordnen einen Bildbefund deshalb zusammen mit Ihren Beschwerden und der Un­ter­su­chung ein. Ein schmerz­haf­ter Be­we­gungs­test oder ein Bild allein stellt keine Diagnose „Impingement Schulter“.

Was Sie beim Armheben bemerken können

Der Schmerz sitzt oft außen an der Schulter oder zieht in den Oberarm. Sie merken ihn beim seitlichen Heben, beim Griff ins hohe Regal oder bei Arbeiten über Kopf. Manche spüren ihn vor allem in einem bestimmten Abschnitt der Bewegung. Andere merken, dass der Arm nicht mehr so weit oder so lange belastbar ist.

Auch das Liegen auf der schmer­zen­den Schulter macht die Nacht mitunter unangenehm. Das kommt häufig vor, sagt allein aber nicht, welche Struktur betroffen ist. Taubheit, deutliche Schwäche, eine Verletzung oder zunehmende Steifigkeit lassen Sie medizinisch einordnen.

Manchmal schmerzt der Oberarm stärker als die Schulter selbst. Daraus lässt sich kein Sehnenriss ableiten. Ärztinnen und Ärzte be­rück­sich­ti­gen Ihre Bewegung, Kraft, Vor­ge­schich­te und weitere Beschwerden, um den Schmerz einzuordnen.

Wird die Schulter nach und nach in alle Richtungen steif, kann eine andere Ursache da­hin­ter­ste­cken. Lassen Sie das ärztlich abklären.

Wann die Schulter besonders gefordert wird

Arbeiten Sie über Kopf, braucht Ihre Schulter Kraft und Ausdauer, oft über längere Zeit. Auch Werfen, Schlagen und Schwimmen fordern sie. Diese Bewegungen sind grund­sätz­lich nicht schädlich. Beschwerden entstehen eher, wenn die Belastung schneller steigt, als sich die Schulter daran anpassen kann.

Das passiert zum Beispiel, wenn Sie Trai­nings­um­fang oder Gewicht auf einmal erhöhen. Nach einer längeren Sportpause kann der volle Wie­der­ein­stieg ebenfalls zu viel sein. Im Beruf fordert eine Phase mit viel Arbeit über Schul­ter­hö­he die Schulter ähnlich stark, etwa beim Einräumen von Regalen oder Streichen.

Eine mögliche Erklärung für diese Reaktion ist ein vor­über­ge­hen­des Miss­ver­hält­nis: Muskeln und Sehnen können gerade weniger leisten, als die Bewegung verlangt. Das heißt nicht, dass eine einzelne Bewegung die Schulter beschädigt hat. Passen Sie an­stren­gen­de Bewegungen kurzzeitig an und steigern Sie die Belastung danach Schritt für Schritt.

Welche Behandlung die Schulter belastbarer macht

Bei Beschwerden der Ro­ta­to­ren­man­schet­te gehört aktive Übungs­the­ra­pie oft zu den ersten Schritten. Sie trainiert Kraft und Be­we­gungs­steue­rung, damit die Schulter Alltags- und Sport­be­las­tun­gen besser bewältigt. Welche Übungen und welcher Umfang zu Ihnen passen, richtet sich nach Ihren Beschwerden, Zielen und Ihrer Reaktion auf Belastung.

Die Ro­ta­to­ren­man­schet­te besteht aus Muskeln und Sehnen, die den Oberarmkopf führen und das Schul­ter­ge­lenk sta­bi­li­sie­ren. Auch das Schul­ter­blatt bewegt sich beim Heben mit. Ein Übungsplan kann deshalb beide Bereiche einbeziehen. Üben Sie das Schul­ter­blatt in einer natürlichen Bewegung, statt es dauerhaft nach hinten zu ziehen.

Die Forschung hat bisher keine Übungsform oder Trai­nings­do­sis gefunden, die für alle klar überlegen ist. Eine sys­te­ma­ti­sche Über­sichts­ar­beit fand kleine Vorteile bei bestimmten Programmen, die Bewegungen gezielt steuern. Bei anderen Übungsarten und Be­las­tungs­stu­fen blieben die Un­ter­schie­de unsicher. Wie oft oder wie lange Sie genau trainieren sollten, wurde nicht direkt verglichen.

Sie können den Arm schon bewegen, bevor Sie völlig schmerzfrei sind, solange die Belastung gut verträglich bleibt. Wird der Schmerz deutlich stärker oder schränkt er Sie danach mehr ein, greifen Sie vor­über­ge­hend niedriger, nehmen weniger Gewicht oder wiederholen die Bewegung seltener. Verändern Sie zunächst einen Punkt und achten Sie darauf, wie die Schulter reagiert. So steigern Sie die Belastung Schritt für Schritt, statt nach einer Pause direkt wieder voll ein­zu­stei­gen.

Eine große britische Studie verglich bei 708 Erwachsenen bis zu sechs Termine mit fort­schrei­ten­den Übungen und eine Beratung zu Selbst­ma­nage­ment und Übungen. Nach zwölf Monaten hatte die Gruppe mit mehr Terminen im Durch­schnitt keinen Vorteil. Beide Gruppen erhielten Un­ter­stüt­zung und einen aktiven Plan. Übungen sind deshalb nicht überflüssig: Die Studie zeigt, dass ein ver­ständ­li­cher Plan für zu Hause wichtig sein kann und mehr Termine allein keinen besseren Verlauf garantieren.

Passen Sie zunächst die Tätigkeit an, die den Schmerz zuverlässig verstärkt. Arbeiten Sie vor­über­ge­hend weniger über Kopf, senken Sie das Gewicht oder legen Sie häufiger kurze Pausen ein. Ruhige All­tags­be­we­gun­gen können Sie meist beibehalten. Wenn Sie die Schulter längere Zeit gar nicht bewegen, können Kraft und Be­weg­lich­keit nachlassen.

Manuelle Therapie kann die Übungs­the­ra­pie ergänzen. Bestimmte Handgriffe oder geführte Ge­lenk­be­we­gun­gen können kurzfristig helfen, den Arm angenehmer zu bewegen. Nutzen Sie den gewonnenen Spielraum an­schlie­ßend für die Bewegungen, die Sie im Alltag oder beim Sport brauchen. Mehr dazu erfahren Sie bei der Kran­ken­gym­nas­tik und der ergänzenden Manuellen Therapie.

Drei Übungen, mit denen Sie vorsichtig starten

Die folgenden Übungen sind Beispiele für einen vor­sich­ti­gen Einstieg und keine persönliche Verordnung. Bei neuen, starken oder unklaren Beschwerden lassen Sie vor dem Üben ärztlich abklären, was für Sie geeignet ist. Wählen Sie einen Be­we­gungs­um­fang, in dem der Schmerz nicht zunimmt. Wird er wäh­rend­des­sen deutlich stärker oder hält die Zunahme danach an, passen Sie die Übung an und lassen Sie sich beraten.

Lockeres Pendeln

Stellen Sie sich neben einen Tisch und stützen Sie sich mit der be­schwer­de­frei­en Hand ab. Beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorn und lassen Sie den betroffenen Arm locker nach unten hängen. Bewegen Sie den Körper sanft vor und zurück, damit der Arm mitschwingt. Kleine Kreise sind ebenfalls möglich. Beginnen Sie mit etwa 30 Sekunden und wiederholen Sie die Bewegung zwei- bis dreimal. So bleibt der Arm leicht in Bewegung, ohne dass Sie ihn aktiv hochheben müssen.

Den Arm auf dem Tisch nach vorn schieben

Setzen Sie sich vor einen Tisch und legen Sie die betroffene Hand auf ein Tuch. Schieben Sie die Hand langsam nach vorn und bewegen Sie den Oberkörper etwas mit. Gehen Sie nur so weit, wie es angenehm bleibt, und kommen Sie kon­trol­liert zurück. Wiederholen Sie die Bewegung acht- bis zehnmal. Mit der Un­ter­stüt­zung des Tisches üben Sie das Vorheben des Arms und können den Be­we­gungs­weg nach und nach erweitern.

Au­ßen­ro­ta­ti­on mit einem elastischen Band

Halten Sie ein leicht gespanntes elastisches Band mit beiden Händen. Beugen Sie die Ellbogen und halten Sie sie locker am Körper. Ein kleines Handtuch zwischen Oberarm und Rumpf kann als Ab­stands­hal­ter dienen. Drehen Sie den betroffenen Unterarm langsam nach außen, ohne den Ellbogen vom Körper weg­zu­schie­ben. Führen Sie ihn ebenso langsam zurück. Beginnen Sie mit acht Wie­der­ho­lun­gen und einem Durchgang. Die Übung trainiert die Au­ßen­ro­ta­to­ren der Ro­ta­to­ren­man­schet­te. Wählen Sie einen leichten Zug und steigern Sie erst, wenn sich die Bewegung gut anfühlt.

Wann die Schulter sofort ärztliche Hilfe braucht

Können Sie nach einem Sturz den Arm nicht mehr heben, lassen Sie die Schulter sofort medizinisch beurteilen. Es könnte eine Verletzung oder ein Kno­chen­bruch vorliegen. Warten Sie in dieser Situation nicht erst ab, ob Übungen helfen.

Kommen Brust­schmerz oder Atemnot zu den Schul­ter­schmer­zen hinzu, rufen Sie sofort den Notruf 112. Bei Fieber und einer geröteten, heißen oder stark ge­schwol­le­nen Schulter brauchen Sie ebenfalls umgehend ärztliche Hilfe, besonders wenn Sie sich krank fühlen.

Neue Taubheit im Arm oder ein deutlicher Kraft­ver­lust gehören zeitnah ärztlich abgeklärt. Beginnen Taubheit oder Schwäche plötzlich, holen Sie sofort me­di­zi­ni­sche Hilfe. Auch ohne Warnzeichen sollten Sie neue oder anhaltende Beschwerden untersuchen lassen, wenn sie zunehmen oder Ihren Alltag deutlich ein­schrän­ken.

So läuft Phy­sio­the­ra­pie bei Schul­ter­schmer­zen ab

Zu Beginn erzählen Sie uns, wann der Schmerz auftritt, welche Bewegungen schwer­fal­len und was Sie im Alltag oder beim Sport wieder tun möchten. Wir prüfen die Be­weg­lich­keit und Kraft Ihrer Schulter und schauen, wie sich das Schul­ter­blatt bewegt. Als Phy­sio­the­ra­peu­ten stellen wir keine ärztliche Diagnose. Bei unklaren Beschwerden oder einem Ver­let­zungs­ver­dacht verweisen wir Sie zur ärztlichen Abklärung.

Wir richten die Übungen an dem aus, was Sie wieder tun möchten: die Jacke anziehen, die Haare waschen, etwas aus dem Schrank nehmen oder den Schläger schwingen. Die Übungen passen zu Ihrem Ziel und Ihrer aktuellen Be­last­bar­keit. Ist eine Bewegung zu schwer oder zu leicht, verändern wir den Umfang. So üben Sie, was Ihnen im Alltag wichtig ist, statt sich an einem einzelnen Test­ergeb­nis fest­zu­hal­ten.

Aus dem Befund entwickeln wir passende Übungen und überlegen gemeinsam, wie Sie Arbeit, Haushalt oder Training vor­über­ge­hend anpassen. Steigern Sie die Belastung in kleinen Schritten und vermeiden Sie längere Pausen oder einen abrupten Sprung zurück zur vollen Belastung. Wenn Sie regelmäßig Kraft aufbauen möchten, kann gezieltes Kraft­trai­ning in der Kran­ken­gym­nas­tik Teil Ihres Plans sein. Manuelle Therapie kann ergänzen, wenn sie Ihnen das Bewegen erleichtert.

Neue oder zunehmende Beschwerden lassen Sie zunächst ärztlich einordnen. Mit einer ärztlichen Verordnung können wir in Düsseldorf-Gerresheim gemeinsam einen Übungsplan für Ihren Alltag und Sport erarbeiten.

Geschrieben von

Physiotherapeut und Praxisinhaber

Davood Mirasadollahi ist staatlich anerkannter Physiotherapeut mit Weiterbildungen in Manueller Therapie, Faszientherapie (FDM), CMD-Therapie, Kinesio-Taping und Vagus-Therapie. Er leitet Theracore in Düsseldorf-Gerresheim und erklärt im Ratgeber, was bei häufigen Beschwerden hilft und wie Physiotherapie abläuft.

  • Staatlich anerkannter Physiotherapeut
  • Manuelle Therapie (MT)
  • Physiotherapie bei Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD)