Das autonome Ner­ven­sys­tem steuert vieles, ohne dass wir darüber nachdenken: Herzschlag, Atmung, Verdauung, Mus­kel­span­nung. Der wichtigste Nerv seines ruhigen Teils, des Pa­ra­sym­pa­thi­kus, ist der Vagusnerv. Er verläuft vom Hirnstamm durch den Hals bis in Brust- und Bauchraum.

Die Nervus-Vagus-Therapie umfasst gezielte Maßnahmen, die den Pa­ra­sym­pa­thi­kus ansprechen sollen: sanfte manuelle Techniken und, wo es passt, Atem­the­ra­pie. Ziel ist, das vegetative Gleich­ge­wicht zu un­ter­stüt­zen und die Fähigkeit des Körpers zu fördern, nach Anspannung wieder zur Ruhe zu kommen.

Wann Vagus-Therapie infrage kommen kann

  • wenn sich Stress körperlich zeigt, etwa als Verspannung in Nacken und Schultern

  • bei flacher, hoher Atmung, die vor allem den Brustkorb bewegt

  • begleitend bei Kie­fer­be­schwer­den und Zäh­ne­pres­sen, siehe CMD-Therapie

  • als ruhiger Baustein innerhalb einer Behandlung von Nacken- oder Rü­cken­be­schwer­den

Herz­rhyth­mus­stö­run­gen, anhaltende Ver­dau­ungs­be­schwer­den, Angst oder Erschöpfung gehören zuerst ärztlich abgeklärt. Die Vagus-Therapie kann eine Behandlung begleiten, aber nicht ersetzen.

Zwei Ge­gen­spie­ler im Ner­ven­sys­tem

Gesund ist nicht, immer entspannt zu sein, sondern gut zwischen beiden Zuständen wechseln zu können.

Sympathikus: Anspannung

  • Herz schlägt schneller
  • Atmung wird flach und schnell
  • Muskeln spannen sich an
  • Verdauung tritt in den Hintergrund

Pa­ra­sym­pa­thi­kus: Ruhe

  • Herzschlag wird ruhiger
  • Atmung wird tiefer und langsamer
  • Muskeln lassen los
  • Verdauung und Erholung bekommen Raum

Der Vagusnerv ist der wichtigste Nerv des Parasympathikus. Genau hier setzt die Behandlung an.

Therapeut legt die Hände ruhig auf den Bauch einer liegenden Patientin

Was in der Behandlung passiert

Die Behandlung ist ruhig. Sie liegen bequem, und wir arbeiten mit sanften Griffen dort, wo der Vagusnerv verläuft oder wo Spannung die Atmung bremst.

  • Manuelle Techniken: an Nacken und Schä­del­ba­sis, an Brustkorb und Zwerchfell

  • Atem­the­ra­pie: ruhiges Atmen in den Bauch mit ver­län­ger­ter Ausatmung

  • Wahrnehmung: spüren, wann Sie Spannung aufbauen, und wie Sie sie lösen

  • Übungen für zu Hause: kurz genug, dass sie in den Alltag passen

Zum Ausprobieren

Länger aus- als einatmen

Diese einfache Atemübung können Sie überall machen, im Sitzen oder Liegen. Zwei bis drei Minuten genügen.

  1. Legen Sie eine Hand auf den Bauch.

  2. Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie dabei langsam bis vier. Der Bauch hebt sich unter der Hand.

  3. Atmen Sie durch leicht geöffnete Lippen aus und zählen Sie bis sechs.

  4. Wiederholen Sie das in Ihrem eigenen ruhigen Tempo.

Wird Ihnen schwindelig, atmen Sie wieder normal weiter. Es geht nicht um möglichst tiefe Atemzüge, sondern um eine ruhige, längere Ausatmung.

Was die Forschung sagt

Gut belegt ist die Atmung, weniger die Griffe

Dass der Vagusnerv an der Regulation von Herzschlag, Atmung und Verdauung beteiligt ist, ist gut belegt. Langsames Atmen mit ver­län­ger­ter Ausatmung wird in Studien mit einer höheren Aktivität des Pa­ra­sym­pa­thi­kus in Verbindung gebracht. Zu manuellen Vagus-Techniken gibt es dagegen erst wenige Studien.

Wir setzen die Vagus-Therapie deshalb als ruhigen Baustein ein, zusammen mit Bewegung und aktiver Behandlung. In unserer Praxis in Gerresheim ist sie Teil der Behandlung mit einer Verordnung über Kran­ken­gym­nas­tik oder Manuelle Therapie, wenn sie zu Ihrem Befund passt.

So läuft die Vagus-Therapie ab

  1. Gespräch

    Wo zeigt sich Anspannung bei Ihnen: im Nacken, im Kiefer, beim Atmen, beim Schlafen? Wir hören zu und fragen nach.

  2. Befund

    Wir schauen auf Atmung, Haltung, Brustkorb und Nacken und tasten, wo das Gewebe fest ist.

  3. Behandlung

    Sanfte Techniken an Nacken, Schädelbasis, Brustkorb und Zwerchfell, verbunden mit ruhiger Atmung.

  4. Übungen für den Alltag

    Eine kurze Atemübung und einfache Griffe, die Sie zu Hause in wenigen Minuten anwenden können.

Fragen zu Vagus-Therapie

Ihre Frage ist nicht dabei? Schreiben Sie uns oder rufen Sie an.

Was ist der Vagusnerv?

Der Vagusnerv ist der längste Hirnnerv. Er verläuft vom Hirnstamm durch den Hals bis in Brust- und Bauchraum und ist ein wichtiger Teil des Pa­ra­sym­pa­thi­kus, also des Teils des Ner­ven­sys­tems, der für Ruhe, Erholung und Verdauung zuständig ist.

Brauche ich dafür eine eigene Verordnung?

Nein. Eine eigene Heilmittel-Position „Vagus-Therapie“ gibt es nicht. Wir setzen die Techniken im Rahmen einer Verordnung über Kran­ken­gym­nas­tik oder Manuelle Therapie ein, wenn sie zu Ihrem Befund passen.

Wie fühlt sich die Behandlung an?

Ruhig. Die Griffe sind sanft, dazu kommen Atemübungen im Liegen oder Sitzen. Viele empfinden die Behandlung als entspannend.

Ersetzt die Behandlung eine ärztliche oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behandlung?

Nein. Bei Herz­rhyth­mus­stö­run­gen, anhaltenden Ver­dau­ungs­be­schwer­den, Angst oder Erschöpfung gehört die Abklärung zuerst in ärztliche Hände. Die Vagus-Therapie kann eine solche Behandlung begleiten, aber nicht ersetzen.

Behandlungsraum mit Liege und warmem Licht

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